Volltanken, bitte!

Die Energie der Herzlichkeit

Von Sophie aus Solothurn


Kuba und Energie?

Das ist eine Wortkombination, die mir nie in Sinn gekommen wäre, bevor ich nach Kuba reiste. Eher: Kuba und strahlend blauer Himmel, Kuba und alte Autos oder Kuba und Lebensfreude.

Nach der Reise sehe ich es das anders. Energie brauchten wir während dieser Reise ständig und überall. In Form von Rohstoffen einerseits: für Kerosin und Benzin für’s Fliegen, um mit dem Lastwagen zum Projekt zu fahren, für Strom für Kühlschrank oder Handyaufladen, für Wasser zum Duschen ...

Und ja: wir mussten uns in diesen zwei Wochen ganz schön achten, damit wir Strom nicht gedankenlos verbrauchen, wegen der Klimakrise wie ja auch bei uns zu Hause, aber auch wegen der Wirtschafts- und Energiekrise in Kuba.

Aber wir benötigten auch Energie in Form einer inneren Kraft für uns selbst.

Energie, um all die neuen Eindrücke und Geschichten wahrzunehmen und zu verstehen, Energie, wenn man mal wieder ohne ersichtlichen Grund herumsteht und wartet. Energie, um einander geduldig zuzuhören, unseren holperigen Spanischversuche. Energie braucht es sogar für positive Dingen wie Lachen, Tanzen, Freundschaften, das Herz teilen.

Diejenigen, die schon ein erstes Mal in Kuba waren, sagten uns: es ist anders jetzt. Es ist, wie wenn unsere Kubaner und Kubanerinnen für alles mehr Energie aufwenden müssen. Es ist irgendwie «duuch», es sprudelt nicht mehr so.

Ich merkte dadurch: auch zur eigenen Energie in uns, müssen wir Sorge tragen.

Obwohl es uns in San Nicolás an nichts fehlte, wir rundum versorgt wurden, in einer wunderbaren Gruppe unterwegs waren, war es trotzdem nicht immer einfach. Die vielen intensiven Kontakte in der grossen Gruppe, all das, was wir jeden Tag neu lernten und aufnehmen durften, die Blicke hinter die Tourismus-Kulisse mit dem, was wir dann verarbeiten mussten, waren unglaublich wertvoll - aber auch ein Überschwemmtwerden an Eindrücken. Auch Schweres und Schicksalsschläge wurden uns anvertraut.

Um das alles zu verarbeiten, suchen wir gemeinsam nach Energie-Tankstellen:

Die Pausen auf dem Kirchendach oder im schönen Garten halfen sicher sehr.


Am meisten halfen mir aber die ganz bewusst zusammen verbrachte Zeit, in der wir über das Erlebte austauschten. In Gesprächen, in denen auch das Lachen niemals fehlte, sammelte ich neue Energie. Selten habe ich davor so viel Verständnis und Feingefühl einer Gruppe nahezu Fremder erlebt.

Herzlichkeit und Menschlichkeit habe mir immer wieder geholfen, neue Kraft zu sammeln!

Auch wenn das Energielevel der Kubaner:innen vielleicht tiefer war als in früheren Jahren, hat mich auf meiner Reise am meisten fasziniert, dass sie in diesen schwierigen vergangenen zwei Jahren ihre Energie eben nicht verloren haben.

Sie haben sich Kraftquellen bewahrt.

Denn sie gaben mir ja immer wieder Kraft. Wo kam sie her? Und auch ich konnte, glaube ich, ihnen Kraft geben. Wie kam sie zu mir?

Die wunderschönen Sonnenuntergänge auf dem Kirchendach sind für mich die Erinnerung an eine Stärke und an eine Kraft, für die ich keine Worte finde, weil sie so stark, so unglaublich ist.

Habe ich in diesen Momenten das gespürt, wovon der 2. Timotheusbief 1,17 spricht?


„Gott hat uns nicht die Energie der Frucht gegeben, sondern eine kraftvolle Energie: die Kraft der Umsicht und der Liebe und der Besonnenheit.“

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