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Evangelisches Theologisches Seminar (ETS)

Tag 13, 09.02. - von der Reisegruppe (Andreas)


In den letzten Tagen kamen auch unter uns immer wieder Gespräche zur aktuellen politischen Situation in Kuba auf. Über die Alltagsnöte von Menschen konnten wir wiederholt in den verschiedenen Projekten, die wir meist über kirchliche Zusammenhänge kennenlernen durften, schon einiges erfahren. Heute wird klar, dass die kubanische Polykrise auch uns direkt betreffen könnte. Zwar blieben wir bisher verschont von Transportproblemen oder den Auswirkungen der Ernährungskrise, heute erfahren wir von den Schwierigkeiten der Fluggesellschaften, Kuba anzusteuern wegen des Treibstoffmangels. Es gibt wohl Ausweichrouten und Fluganpassungen, und doch bleibt eine gewisse Skepsis zurück mit Blick auf die geplante Rückreise. Irgendwie bleibt es offen, aber wir sind doch eher positiv gestimmt. In Kuba ist es inzwischen sprichwörtlich, wer weiss schon, was morgen sein wird!


Abend-Spaziergang auf den Mont Serrat: Mit Aussicht ins ehemalige Zuckerrohrtal von Matanzas
Abend-Spaziergang auf den Mont Serrat: Mit Aussicht ins ehemalige Zuckerrohrtal von Matanzas

Heute war der Schwerpunkt auf der Arbeit des Evangelischen Theologischen Seminars (ETS) in Matanzas, der theologischen Ausbildungsstätte mehrerer protestantischen Kirchen. Gegründet 1946 von der Presbyterianischen und der Methodistischen Kirche, schloss sich 5 Jahre später auch die Episcopal Church (in Anglikanischer Tradition) dem ETS an. Viel später sind in den 1990er Jahren weitere Kirchen hinzugestossen, so auch die Baptistische Kirche und die Quäker. Das ETS liegt auf einem Hügel mit dem besten Blick über die Stadt! Es ist ein Campusgelände, auf dem sich Lehrgebäude finden, aber auch die Schlafsäle der Studierenden (in denen wir untergebracht sind), und ein grosses Areal für verschiedene landwirtschaftliche Projekte vorbehalten ist. Ziel ist es, auf eigenen Beinen zu stehen. Es gibt Gartenanlagen, Obstbäume, eine kleine Geflügelzucht und es werden Schweine gehalten. Geplant ist eine Fischzuchtanlage. Noch nicht alt ist die kleine Bäckerei, die die Kantine des ETS beliefert und etwas Geld erwirtschaftet durch die Versorgung von Kirchengemeinden. Eine etwas andere Gestaltung eines theologischen Seminars, wobei klar ist, dass dessen finanziellen Ressourcen sehr begrenzt sind.




Eindrücklich war die Begegnung mit dem Rektor, Ary Fernandez Alban. Ary war Anfang der 2000er Jahre über 7 Jahre hinweg Pfarrer der Presbyterianischen Kirche in San Nicolás, Rektor ist er seit 2024. „This is the moment to visit Cuba“ - ein Satz, den wir auch von mehreren Personen an den unterschiedlichsten Stationen unserer Begegnungsreise hören konnten. Auch am ETS sind die Folgen der Mangelwirtschaft deutlich zu spüren: Derzeit finden kaum einmal Präsenzveranstaltungen statt, sodass auch die vorgesehenen gemeinsamen Blöcke mit Studierenden leider entfallen. Lebten in den 1990er Jahren mehr als 50 Familien auf dem Campus, so treffen wir heute keinen einzigen der etwa 200 Studierenden an. Diese kommen aus dem ganzen Land; Transportprobleme haben dazu geführt, den Lehrbetrieb schon vor Tagen einzustellen. Allein zeitweilige Blockveranstaltungen werden angeboten, etwa 4 mal pro Jahr, immer über 1 Woche hinweg. In den letzten Jahren hat das ETS seine Lehrpläne grundlegend neu gestaltet und erweitert. Das ETS bietet den Bachelor- und Masterabschluss in Theologie an, diversifiziert aber das Angebot durch weitere Abschlüsse etwa in Diakoniewissenschaft oder in Liturgiewissenschaft, die sich insbesondere an Laien (nicht-theologische kirchliche Mitarbeitende) wenden. Jüngst ist ein Abschluss in Pentecostal Studies hinzugekommen, der vorwiegend Mitglieder von Pfingstkirchen anspricht, die damit mit grundständiger theologische Bildung in Berührung treten. Erst 2024 bietet das ETS ein Modul in Krankenhausseelsorge an, was vorher staatlicherseits nicht möglich gewesen ist. In einer (von insgesamt 2) Zweigstellen bietet das ETS einen interreligiösen Studiengang an (den wir in Havanna in Augenschein nehmen konnten). Das ETS möchte sich international vernetzen. Nach ersten Erfahrungen mit der Graduate Research Foundation in den USA strebt die Leitung nun eine engere Kooperation mit Universitäten in Deutschland an. Eine Gruppe aus Oldenburg wird im September erwartet, um das Terrain auszuloten.


Rektor Ary Fernández
Rektor Ary Fernández
Klassenzimmer/Seminarraum
Klassenzimmer/Seminarraum

Bibliothek
Bibliothek
Kreuz in einem Studienzimmer
Kreuz in einem Studienzimmer
Dekoloniale Weltkarte
Dekoloniale Weltkarte

Die Diskussion mit dem Rektor drehte sich um die Entwicklung der Theologie in Kuba in den verschiedenen Phasen seit der Revolution. Prägend wurde in den 1970er Jahren der Ansatz einer „teologia en revolucion“, die es ermöglichte, dass sich auch die Kirchen positiv auf die sozialistische Gesellschaft Kubas einlassen konnten. Gegenwärtig steht eine Dekolonisierung der Theologie im Raum. In einer anstehenden Konferenz mit einem Seminar in Puerto Rico soll das Konzept verfeinert und kontextualisiert werden. Diese Thematik betrifft auch die Theologie in der Schweiz.


Der Rektor Ary Fernández und Prof. Andreas Heuser
Der Rektor Ary Fernández und Prof. Andreas Heuser

 
 
 

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