Das Abenteuer geht weiter: auf nach Viñales!

Aktualisiert: März 10

San Nicolas, 5 Uhr früh. Die Pastora bemuttert uns ein letztes Mal mit Frühstück und Proviant für die Reise nach Viñales. Wir (Vera und Nina) sind in Cuba geblieben und werden die Insel jetzt noch auf eigenen Füssen entdecken. Das besorgt unsere Cubaner*innen enorm. ¡Zwei junge Frauen alleine in Cuba!? Im Ernst jetzt? Als wären wir noch nie alleine unterwegs gewesen. Ausserdem haben Tourist*innen in Cuba höchsten Stellenwert. So fragt man bei einem Unfall als erstes, ob ein Tourist dabei war.

Wir wurden mit vielen Küssen und Umarmungen verabschiedet. Mit der Maquina (carsharing) geht’s nach La Habana. Adrian begleitet uns, bis wir einen Fahrer nach Viñales haben. Zuvor sehen wir am Busterminal die extremen Unterschiede zwischen Volk und Touristen: laufender Fernseher, getrennter Raum mit Sitzen, Airconditioning und Bilder an den Wänden für diejenigen, die mehr zahlen können. Unendliche Warteschlangen - und Listen, trübe Scheiben, kaputtes Glas und keine Abfallkübel für die Cubaner*innen.

Nach 1 ½ Stunden Fahrt mit drei anderen Touristen (keine/r spricht Spanisch) halten wir in einem Café. Ein Mann verspricht uns gratis Café und eine gratis Zigarre. Wir, natürlich typisch Schweizer*innen, werden misstrauisch. Nach dem Café werden wir durch Scheunen geführt, wo Tabak getrocknet wird. Wir werden wegen der Gratistour und dem Entfernen vom Auto nur noch misstrauischer und zusätzlich nervös. Aber 30 Minuten später sitzen wir wieder im Auto und von uns wurde kein Geld für nichts verlangt. Jetzt tut uns der kalte Schweizer Charakter schon ein wenig leid.

In Viñales sind die Häuser bunt. Nicht verwaschen bunt, wie unsere Farbe in San Nicolas. Nein, richtig knallig und satt gestrichen. Und es gibt Holz! Unglaublich! Türen sind aus Holz. Dies jedoch auch nur bei den Häusern, welche Tourist*innen aufnehmen.

Es ist deutlich spürbar, wie viel mehr Geld hier wegen des Tourismus fliesst. Das hat jedoch auch seine negativen Seiten. Die wenigen Läden, die es hat, sind leer. Nichts, nichts in den Regalen, nichts zum Verkaufen, nichts zum Essen. Alles fliesst direkt in die Restaurants für die Tourist*innen. Wir stehen 10 Minuten an, um Wasser zu kaufen. Es hat fast nichts mehr und nur noch 50cl Flaschen. Das ist schon der dritte Ort, wo wir nach Wasser fragen. Da gerade eine Ladung Wasser ankam, wartet die Polizei mit uns neben dem Laden. Damit es zu keinen Streitereien kommt. Doch wir Tourist*innen stehen an und werden in den Laden gelassen, wenn jemand anderes rauskommt.

Wir folgen den Leuten mit Taschen voller Gemüse. Woher sie das haben, fragen wir. Ein Mann schenkt uns eine Tomate und eine Gurke. Wir jubeln über die Lebendigkeit von frischem Gemüse. Bis jetzt haben wir in den Läden nur Konservendosen und Alkohol gefunden. Morgen sollte es wieder ein wenig Gemüse haben, meint der Mann.

Wir gehen durch die Gassen und die Männer pfeifen uns nach. Dass ihnen sowas nicht irgendwann langweilig wird, wundern wir uns? «Hola lindas» «Ohh, cómo están?» «te ayudo?» «pero chicas!» …

Zurück zu Hause sitzen wir draussen zum ersten Mal wieder an unseren Handys. Wie falsch es sich anfühlt, nebeneinander zu sitzen und sich stumm mit Familie und Freund*innen zu verbinden. Trotzdem geniessen wir die Verbindung zur Welt.

Hier sind wir schon viel näher an dem Leben, wie wir es kennen: ein normale Wasserhahn, ein Duschkopf (ohlàlà, sogar zwei), es glänzt, das Bett hat keine Löcher in der Matratze, man fällt nicht zwischen den Holzlatten durch, der Hausherr bringt uns ein superstarkes Mückenspray, in der Küche hat es einen Induktionsherd, Pflanzen werden gegossen (lange und ziemlich verschwenderisch). Es hat Möbel, wie wir sie kennen, so Strohsitze mit Kissen und Tische aus Holz; daneben Blumentöpfe mit Pflanzen. Das Haus hat sogar Ziegel! Am Morgen fragte uns eine Deutsche noch, ob wir auch Ziegel auf die Dächer tun bei den Häusern in dem Dorf, in dem wir gearbeitet haben? Wir haben uns angeschaut, als gäbe es dieses Wort nicht. Ziegel? Das gibt es hier nicht, hatten wir geantwortet.

Nina und Vera


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